VON AACHEN (D) Washington  (USA)

 

Mein Name ist Shahin Tivay Sadatolhosseini. Ich bin gebürtiger Iraner, Fotograph und habe viele Jahre als Rhönrad-Artist gearbeitet, unter anderem den Iran bei Weltmeisterschaften im Rhönradturnen vertreten und bin momentan als Choreograph und Künstler tätig.  Wohnhaft bin ich in Aachen und fühle mich als „Öcher“ Perser, wie man in Aachen zu sagen pflegt. Aufgewachsen bin ich in Teheran. Aufgrund des Iran/Irak Krieges verließ meine Mutter mit meinem Bruder und mir 1985 den Iran und floh nach Deutschland. Seit 30 Jahren wohne ich in Deutschland.
Kurz nach meiner Ankunft in Deutschland bin ich dem Rhönrad begegnet und war sofort verzaubert. Das Rhönrad gibt es seit genau 90 Jahren und ist ein hauptsächlich in Deutschland verbreitetes Sportgerät, das besonders im Zirkus und auf Bühnen in der ganzen Welt präsentiert wird. Rhönrad ist eine Symbiose aus Akrobatik, Tanz und Ästhetik.
 
 

Seit dem Tage meiner ersten Begegnung begleitet mich das Rhönrad und ist mehr als nur ein Sportgerät für mich. Das Rhönradturnen wurde zu einem ständigen Lebensbegleiter, Fixpunkt und einer konstanten Inspirationsquelle meiner beruflichen und künstlerischen Tätigkeiten. Das Rhönrad ist das Zentrum meiner Aachener Identität. Seit langem reift in mir der Wunsch, die persische und die deutsche Identität zu vereinen. Die Umsetzung dieser Idee entspricht dem Bild eine Nomadisierung: Mein Plan ist, mit dem Rhönrad von Deutschland bis in den Iran zu wandern.

Das habe ich mit dem Kunstprojekt RollEast verwirklicht. nun ist die Zeit gekommen, den Kreis zu schließen. Jetzt werde ich nach USA wandern. 

Die Wanderung beginnt bei Aachen am Dreiländereck (Deutschland-Belgien-Niederlande) und endet in Washington in den USA. Ich durchwandere Niederlande in Richtung Den Haag. Auf einem Containerschiff werde ich von Le Havre genau wie auch die Freiheitsstatue übersetzen und eine besondere Botschaft nach Amerika bringen. In den USA angekommen, möchte ich, angefangen in Boston, die Geschichte dieses Landes nachgehen.
So verbinde ich mein Geburtsland Iran mit seinem vermutlich größten Feind. Startschuss ist der 20. März 2020, der Tag des persischen Neujahrs und des Weltglückstages. Das Rhönrad ist dabei nicht mein Ballast, sondern wird viele Aufgaben übernehmen. Es wird mein Tragesel, mein Schneckenhaus, mein Kamerakran, mein Kraftwerk und vieles mehr sein.
Das Rhönrad als Kreis symbolisiert meinen Lebenslauf, denn ich bin in Teheran geboren und war  nun erstmals  mit RollEast in Iran und habe meinen Ursprung besucht.
Auch der Zeitraum, in dem ich diese Wanderung antreten möchte, ist durch den wiederkehrenden Jahreszyklus ein Kreis. So ist jeder Tag besonders und einmalig und trotzdem erleben wir oft wiederkehrende Elemente. Ich werde viel Menschen kennenlernen und noch viel mehr Vorurteile abbauen.
Ich fühle mich zu meinem persönlichen Wanderjahr berufen, bei dem ich viel von meinen Begegnungen lernen kann und auch selbst viele Impulse setzen werde. Durch die noch nicht ausgereifte Bekanntheit des Rhönrades ganz besonders über Deutschlands Grenzen hinaus in Osteuropa, werden die Leute schnell fasziniert. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass über das exotische Sportgerät einfach und schnell interessante Gespräche und persönliche Begegnungen entstehen. Meinen persönlichen Pilgerweg werde ich fotographisch und filmisch dokumentieren, um ihn so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.